Ein sprachlicher Fehler wird in der Glottodidaktik gemeinhin als eine Abweichung von einer bestimmten Norm (z.B. grammatikalische, orthografische, pragmatische Regel) definiert. In pädagogischen Kreisen gibt das Thema Fehler Anlass zu vielen Debatten; in der Forschung hat die Aufmerksamkeit für dieses Thema zu zahlreichen Studien über Interlanguage, metalinguistisches Bewusstsein sowie die Wirksamkeit von Korrekturen beim Sprachenlernen geführt. Es fehlt jedoch an Erkenntnissen darüber, wie Lehrkräfte den Umgang mit Fehlern angehen und welche Auswirkungen die mit ihnen verbundenen Variablen (z. B. Sprachgeschichte, metalinguistisches Bewusstsein, metakognitive Fähigkeiten, Lehransatz, Grad der Lehrplaneinhaltung) auf diese Praxis haben können.
In dieser Studie wird untersucht, wie Primarschullehrpersonen mit Fehlern in schriftlichen Fremdsprachentexten umgehen. Das Projekt berücksichtigt alle Fremdsprachen (FS), die je nach Kanton als erste Fremdsprache in der Schweiz vorkommen können: Französisch, Englisch, Italienisch, Rätoromanisch und Deutsch.
Konkret wollen wir folgende Fragen beantworten:
- Wie korrigieren Grundschullehrkräfte Prototyptexte FS für Klasse 6a, die Fehler verschiedener Art aufweisen (z. B. Rechtschreibung, Wortschatz, Morphologie, Syntax, Wortstellung, Zeichensetzung)?
- Gibt es (und in welchem Ausmass) einen Zusammenhang zwischen lehrkraftbezogenen Variablen (z. B. sprachliche Vorgeschichte, metasprachliches Bewusstsein, metakognitive Fähigkeiten, Lehransatz, Grad der Einhaltung des Lehrplans) und der Art und Weise, wie der Fehler behandelt wird?
- Gibt es systematische Unterschiede in der Behandlung von Fehlern in Abhängigkeit von der unterrichteten L2?
Die Ergebnisse des Projekts:
- werden eine breite Informationsquelle zum Thema Fehlerbehandlung in FS in Grundschulen sowie zu den Variablen bieten, was Orientierungshilfen für die künftige Korrekturpraxis geben kann;
- werden es der Fachsprachdidaktik ermöglichen, sich einer vergleichenden Dimension zu öffnen, die sich auf Überlegungen zu möglichen Gemeinsamkeiten und Unterschieden bei der Berücksichtigung von Fehlern in verschiedenen FS konzentrieren wird;
- werden an den pädagogischen Hochschulen angewandt und tragen zur Förderung des evidenzbasierten Unterrichts bei.
Darüber hinaus werden die für die Datenerhebung verwendeten Aufgaben (prototypische zu korrigierende Texte und ein Fragebogen, der Informationen zu lehrkraftbezogenen Variablen sammelt) als Begleitmaterial für den Sprachunterricht zur Verfügung gestellt, um Diskussionen darüber anzuregen, wie künftige Lehpersonen mit dem Thema Fehler umgehen.